Welche Fahrzeuge gibt es im Rettungsdienst?

28. Juli 2019

Die drei am häufigsten eingesetzten Fahrzeugarten sind der Krankentransportwagen (KTW), der Rettungswagen (RTW) und das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF). Einzelne Sonderformen werden am Ende kurz angesprochen.

Der KTW ist meistens ein Fahrzeug unterhalb der Sprinterklasse, häufig VW T5/ T6, Ford Transit oder ähnlich. Aufgabe des KTW ist der Transport von nicht vital bedrohten Patienten, der Transport von nicht gehfähigen Patienten zu medizinischen Untersuchungen und auch die Entlassung von eben diesen Patienten aus dem Krankenhaus wieder nach Hause. Dennoch hat auch der KTW eine in der DIN EN 1789 festgelegte medizinische Ausstattung, so dass auch bei einer Verschlechterung des Patientenzustandes Erstmaßnahmen getroffen werden können. Unter anderem ist dies die Vorhaltung von Sauerstoff, ein AED (automatischer externer Defibrillator), ein Notfallrucksack oder -koffer, Verbandmaterial, Schienungsmaterial und ähnliche Dinge. Dies kann sich regional deutlich unterscheiden, so wird häufig in ländlichen Bereichen eine ähnliche Ausstattung vorgehalten, wie sie sonst nur im RTW vorhanden ist. Dies ist damit zu begründen, dass insgesamt weniger Fahrzeuge vorgehalten werden als im städtischen Bereich und bei mehreren parallelen Notfällen auch mit dem KTW eine entsprechend qualifizierte Erstbehandlung möglich ist.

Die Besetzung der Fahrzeuge ist zwar im jeweiligen Landesgesetz geregelt, meistens ist dies aber in Deutschland gleich. Der KTW ist meistens mit zwei Rettungssanitätern besetzt, in NRW kann der Fahrer des KTW auch Rettungshelfer sein. In vielen Bereichen ist ein KTW auch deutlich höher qualifiziert besetzt, so kann es vorkommen, dass auch zwei Notfallsanitäter einen KTW besetzen.

Ein KTW ist der Definition nach für den Transport von nicht lebensbedrohlich erkrankten Personen gedacht, allerdings ist ein KTW auch kein schickeres Taxi. Nicht gehfähige Patienten, die zu einer notwendigen Untersuchung müssen, können vom Hausarzt (oder von der Klinik, in der sie sich gerade befinden) vor einem nötigen Transport einen Transportschein erhalten, mit dem die Kosten des Transports von der Krankenkasse übernommen werden. In den meisten Regionen dürfen zwischen 90 Minuten und zwei Stunden vergehen, bis ein KTW am Einsatzort eintrifft, deshalb werden die meisten Einsätze auch ohne Blaulicht gefahren.

Der RTW ist üblicherweise durch einen Rettungssanitäter als Fahrer und mit einem Notfallsanitäter als Beifahrer/ Transportführer besetzt. In den Übergangsfristen nach der Einführung des Notfallsanitätergesetzes können je nach Landesrettungsdienstgesetz anstelle des Notfallsanitäters auch bis maximal 2027 (NRW) noch Rettungsassistenten als Beifahrer/ Transportführer eingesetzt werden. Nach Ablauf der jeweiligen Fristen wird ein Rettungsassistent dem Rettungssanitäter gleichgestellt und nur noch als Fahrer eingesetzt.

Der RTW ist meist ein Sprinter oder ähnlich, häufig mit einem sogenannten Kofferaufbau (ähnlich wie die Paketwagen von DHL oder UPS) ergänzt, um einen deutlich größeren Patientenraum zu erreichen. Die Ausstattung ist ebenfalls in der DIN EN 1789 geregelt und umfasst neben dem, was der KTW mitzuführen hat, weitere medizinisch-technischen Dinge. Unter anderem wird hier statt eines AED ein EKG vorgehalten, mit dem man die Herzkurven in verschiedenen Ebenen ableiten kann, die Sauerstoffsättigung im Blut überwacht, den Blutdruck automatisch messen lassen kann und weitere individuelle Möglichkeiten der jeweiligen Hersteller. Neben der reinen Gabe von Sauerstoff ist in einem RTW auch ein Beatmungsgerät vorhanden, mit dem wie im Krankenhaus unterschiedliche Beatmungsmöglichkeiten existieren. Regional unterschiedlich ist die Ausstattung mit Medikamenten, diese gehen von einer einfachen Vorhaltung von Notfallmedikamenten bis hin zur Vorhaltung von Medikamenten zur Nakoseeinleitung, Schmerzmitteln, Blutdruckmedikamenten und weitere.

Ein Rettungswagen ist zur Versorgung und zum Transport von lebensbedrohlich erkrankten Patienten gedacht. Ob es um einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eine starke, spritzende Blutung geht, im RTW sind alle Materialien, um bereits vor Ort Schmerzen zu lindern, Wunden zu versorgen und bereits mit der nötigen Therapie zu beginnen. Ein RTW soll je nach Region zwischen acht und fünfzehn Minuten nach Absetzen des Notrufs vor Ort sein, der überwiegende Teil der Anfahrten wird daher mit Blaulicht durchgeführt.

Das NEF ist meistens ein PKW Kombi, SUV oder auch ein VW Bus, besetzt ist es mit einem Notfallsanitäter als Fahrer und einem Notarzt. Auch hier gilt die analoge Einsatzmöglichkeit für Rettungsassistenten nach jeweiligem Landesgesetz, in einigen Regionen gibt es auch NEF, die nur vom Notarzt besetzt sind, dieser fährt das NEF alleine zur Einsatzstelle. Die Ausrüstung versteht sich meistens als Ergänzung zum regionalen RTW, was dort nicht vorhanden ist, wird vom NEF mitgeführt. Dies gilt häufig für (weitere) Medikamente, weiteren Materialien beispielsweise für den Atemwegszugang durch ein Videomonitor zur Intubation, mechanische Reanimationshilfen oder auch chirurgisches Material für notwendige Interventionen, die nicht bis zum Krankenhaus warten können. Das NEF ergänzt den RTW bei festgelegten Einsatzarten, wo ein Arzt an der Einsatzstelle erforderlich ist. Da es sich meistens um lebensbedrohliche Indikationen handelt, fährt das NEF meistens mit Blaulicht zur Einsatzstelle.

Als mögliche Sonderformen von Fahrzeugen des Rettungsdienstes gibt es unter Anderem noch Intensivtransportwagen, das sind Rettungswagen mit einer zusätzlichen Ausstattung für die Verlegung von überwachungspflichtigen Patienten, es gibt Schwerlastrettungswagen für den Transport für Menschen mit einem Körpergewicht von über 200 kg, Infektionstransportwagen für Menschen mit seltenen oft tropischen Krankheiten. Je nach Notwendigkeit der örtlichen Topografie gibt es geländegängige Rettungswagen auf Mercedes Unimog und umgebaute Geländefahrzeuge als KTW. Oft sind der Phantasie hier wenig Grenzen gesetzt. Wenn die DIN EN 1789 erfüllt ist, die Besetzung entsprechend ist, sind dies vollwertige Fahrzeuge des Rettungsdienstes.

Ein Beitrag von Basti (Basti80001 auf Twitter).